Geschichte

Pfarrei St. Nikolaus Bremgarten

Schon in der Mitte des 13. Jahrhunderts muss Bremgarten eine selbständige Pfarrei gebildet haben. Die im Stadtrecht verheissene freie Pfarrwahl übten die Bürger aber erst später aus. Am 2. Juli 1420 schenkte die Fürstin Anna von Braunschweig, die Gemahlin des Herzogs Friedrich IV. mit der leeren Tasche, alle Rechte über die Pfarrkirche an das städtische Spital gegen die Verpflichtung, der Spenderin in einer jährlichen Jahrzeitmesse zu gedenken. Diese wird noch heute gelesen.

Die Kirche von 1300 war zu Ehren der hl. Maria Magdalena geweiht, ein Seitenaltar dem hl. Nikolaus. 1529 nahm Bremgarten den neuen Glauben an. Infolge der nach dem zweiten Kappelerkrieg veränderten politischen Machtverhältnisse in der Eidgenossenschaft kehrte es 1532 zum katholischen Bekenntnis zurück. Seither ist der hl. Nikolaus Kirchenpatron.

1653 wurden die Reliquien des Katakombenheiligen Synesius mit allem barocken Pomp und Gepräge vor der Stadt in Empfang genommen und zur Kirche geleitet. Noch heute pilgern alljährlich am vierten Oktobersonntag, dem Festtag des Heiligen, Scharen von Freiämtern zur Augensegnung vor den Altar des hl. Synesius.

Mit zwei Ordensniederlassungen blieb Bremgarten über Jahrhunderte eng verbunden, bis sie missverstandenem Fortschritt zum Opfer fielen. Das St.-Klara-Klösterlein, 1392 gegründet und anfänglich von Beginen, nach 1406 von Franziskaner-Terziarinnen bewohnt, wurde 1798 vom Helvetischen Grossen Rat aufgehoben. Das 1618 auf dem linken Reussufer entstandene Kapuzinerkloster bestand bis zur Aufhebung durch den aargauischen Grossen Rat im Jahre 1841.

Seine bescheidenen Gebäulichkeiten bilden den Kern des 1889 geschaffenen, unter der Leitung der Schwestern vom Hl. Kreuz von Ingenbohl stehenden St.-Josefs-Heims für Schwerstbehinderte (St. Josefs-Stiftung).

Mit dem im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts einsetzenden Bau von Fabriken wanderten vor allem Arbeiter und Taglöhner von auswärts ins Städtlein, viele davon aus dem Kanton Zürich. Der sonntägliche Gottesdienst der am 10. August 1845 gebildeten “Protestantischen Genossenschaft” fand seit 1846 im Erdgeschoss des einstigen Zeughauses statt. Am 20. Juli 1874 billigte der aargauische Regierungsrat die Bildung der reformierten Kirchgemeinde Bremgarten.

Aus: Bremgarten/Heimatführer 1990